Frühwerk A.R. Penck | Städtische Galerie Dresden – Kunstsammlung

Frühwerk A.R. Penck (Sammlung Schweinebraden)

Mit dem Erwerb der umfangreichen Sammlung mit Werken von A.R. Penck (Ralf Winkler) aus dem Besitz von Jürgen Schweinebraden Ende des Jahres 2007 konnte die Städtische Galerie Dresden einen bedeutenden Zuwachs ihres Bestandes verzeichnen.

Das Konvolut umfasst etwa 40 Gemälde, Objekte und Assemblagen, 330 Aquarelle und Zeichnungen, 340 Übermalungen, 80 druckgrafische Arbeiten sowie etwa 100 Werke aus dem Umkreis der Künstlergruppe „Lücke“, an deren Entstehung A.R. Penck mitgewirkt hat. Der überwiegende Teil der Sammlung stammt aus der Dresdner Zeit von Ralf Winkler/A.R. Penck, von dessen künstlerischen Anfängen in den 1950er Jahren bis zu dessen Ausreise aus der DDR im August 1980.

Für die Städtische Galerie Dresden ist die Übernahme der Sammlung Ausgangspunkt für eine systematische Auseinandersetzung mit dem Werk eines der interessantesten Künstler, die im letzten Jahrhundert von Dresden aus gestartet sind. Neben dem Ausbau des Konvolutes sehen wir unsere Aufgabe vor allem darin, dem Künstler A.R. Penck in seiner ehemaligen Heimatstadt eine Basis der Überlieferung seines Werkes zu schaffen. Dazu gehören nicht nur die Recherche von Fakten und Dokumenten zu seiner künstlerischen Entwicklung, sondern vor allem die Bildung eines theoretischen Kontextes für die Kunst von A.R. Penck.

Das Konvolut wurde im Frühjahr 2008 in einer Überblicksausstellung mit begleitendem Katalog vorgestellt („Sein und Wesen. Der unbekannte A.R. Penck“). 2010 folgte mit der Ausstellung „Welt und System“ eine Untersuchung zu Pencks Ideen und Bildthemen der 1960er Jahre und deren Widerhall und Weiterführung im Werk internationaler jüngerer Künstler. Anlässlich des 75. Geburtstages des Künstlers 2014 stellen wir in einer Kabinettausstellung das frühe Werk der 1950er Jahre vor. Weitere Projekte zur Erschließung einzelner Werkgruppen werden folgen.

Der Künstler

Ralf Winkler wurde 1939 in Dresden geboren. In einem Volkshochschulkurs bei Jürgen Böttcher erhielt er 1953/54 seine erste künstlerische Prägung. Von den Kunsthochschulen in Dresden und Berlin wurde er zurückgewiesen und erklärte sich daraufhin selbst zum Künstler. In seinen frühen Werken setzte er sich intensiv mit der Kunst von Rembrandt und Picasso auseinander. Um 1961 entwickelte er eine künstlerische Zeichensprache zur Darstellung menschlicher Handlungsbezüge, mit der er Weltruhm erlangen sollte. In der Folge entstanden die sogenannten „Welt-“ und „Systembilder“, und er entwickelte sein „Standart“-System. 1968 hatte er seine erste Einzelausstellung in der Galerie Michael Werner in Köln und nahm das Pseudonym A.R. Penck an.

Seine Bewerbung um die Mitgliedschaft im Verband bildender Künstler der DDR wurde 1968 abgelehnt. 1971 bis 1976 arbeitete A.R. Penck in der Gruppe „Lücke“ gemeinsam mit künstlerischen Autodidakten an Gemeinschaftsbildern. Öffentliche Ausstellungen blieben ihm in der DDR verwehrt, während er in Westdeutschland und Westeuropa Erfolge feierte. Der internationale Durchbruch gelang ihm 1972 und 1977 mit seinen Beteiligungen an den documenta-Ausstellungen 5 und 6, ohne dass er selbst je in den Westen reisen durfte. 1973 fand seine erste Einzelausstellung in der DDR in der „EP-Galerie“ von Jürgen Schweinebraden in Berlin statt. 1980 verließ A.R. Penck die DDR und war danach in Köln, Berlin und London tätig. Seit Ende der 1980er Jahre lebt er überwiegend in Irland.

Der Sammler

Jürgen Schweinebraden Freiherr von Wichmann-Eichhorn wurde 1938 in Dresden geboren und lernte Ralf Winkler 1956 kennen. Durch ihn kam er in Kontakt mit der Gruppe, zu der außer Winkler auch Peter Graf, Winfried Dierske, Peter Herrmann und Peter Makolies gehörten. Bereits in den 1950er Jahren begann er, Arbeiten seines Freundes zu sammeln. Er erlebte die Entwicklung Winklers zu A.R. Penck mit. In vielen Gesprächen beteiligte er sich an Ralf Winklers Auseinandersetzungen mit der Kunst und folgte dessen Interesse für wissenschaftliches Denken. Nach seinem Psychologiestudium gründete er in Berlin die „EP Galerie Jürgen Schweinebraden“ und organisierte zahlreiche Ausstellungen und Konzerte. Dabei präsentierte er auch Mail Art, Konzeptkunst, Performance und Video von internationalen Künstlern. 1980 wurde er wegen „Herstellung illegaler Druckerzeugnisse“ strafrechtlich verfolgt und siedelte in die Bundesrepublik über. Er war an der Nationalgalerie in Westberlin, der documenta 8 sowie von 1989 bis 1992 als Leiter des Hamburger Kunstvereins tätig und lebt heute als Ausstellungsmacher, Publizist und Verleger in Hessen.

A.R. Penck (geb. 1939)

Gespräch, 1957

Öl auf Hartfaser, 75 x 100 cm, Inv.-Nr. 2007/k 403